Zusammenfassung: Die Übernahme der EU-Sanktionen gegen Russland am 28. Februar 2022 markierte einen Paradigmenwechsel in der schweizerischen Neutralitätspolitik. Erstmals übernahm die Schweiz umfassende Wirtschaftssanktionen gegen einen kriegführenden Staat. Die Debatte über Kriegsmaterial-Weitergabe und das Lawrow-Zitat verschärften die Diskussion. Die Bewertung bleibt kontrovers: War es ein notwendiger Akt der Solidarität mit dem Völkerrecht oder ein Bruch mit der Neutralitätstradition?
Vier Tage nach dem russischen Angriff auf die Ukraine beschloss der Bundesrat am 28. Februar 2022, die EU-Sanktionen gegen Russland zu übernehmen [1]. Dies umfasste:
Stand März 2025 waren russische Vermögenswerte in Höhe von CHF 7,4 Milliarden eingefroren -- eine Zunahme von CHF 1,6 Milliarden gegenüber April 2024 [2].
Die Sanktionsübernahme hatte direkte Konseqünzen für die Beziehung Schweiz-Russland:
Andererseits: Die Schweiz übernahm die Sanktionen in ihrer Eigenschaft als Finanzplatz mit signifikanten russischen Vermögenswerten. Das SECO betont, die Massnahmen stünden im Einklang mit dem bestehenden Embargogesetz [1].
Die Neutralitätsdebatte wurde durch die Frage der Kriegsmaterial-Weitergabe weiter angeheizt [4]:
Am 26. Oktober 2022 verabschiedete der Bundesrat den Neutralitätsbericht [5]:
Die Bewertung ist unter Experten und in der Bevölkerung kontrovers [6]:
| Pro (Solidarität) | Contra (Neutralitätsbruch) |
|---|---|
| Schweiz verurteilt völkerrechtswidrigen Angriffskrieg | Paradigmenwechsel in der Neutralitätspolitik |
| Sanktionen sind keine militärische Beteiligung | Verlust der Vermittlerrolle (Lawrow-Zitat) |
| Beitrag zur internationalen Ordnung | Gefahr der Instrumentalisierung |
| 65% der Bevölkerung unterstützten Sanktionen (2022) | Neutrale Staaten sollten beide Seiten gleich behandeln |
| Völkergewohnheitsrecht verlangt Kooperation bei schweren Verst"ossen | Initiativkomitee: "Sanktionen machen Schweiz zur Konfliktpartei" |
[1] SECO (2022). FAQ Sanktionen gegen Russland.
Staatssekretariat für Wirtschaft. [Open Access]
[2] cash.ch (2025). Gesperrte Vermögen sanktionierter Russen in der Schweiz gestiegen.
cash.ch. [Open Access]
[3] swissinfo.ch (2024). Russischer Aussenminister bezeichnet Schweiz als "offen feindselig".
SWI swissinfo.ch. [Open Access]
[4] SRF (2023). Kehrtwende beim Waffenexport -- Kriegsmaterial-Debatte.
Schweizer Radio und Fernsehen. [Open Access]
[5] swissinfo.ch (2022). Neutralitätsbericht 2022 (Volltext, PDF).
Bundesrat, 26. Oktober 2022. [Open Access]
[6] Annee Politique Suisse (2022). Die Schweiz übernimmt die EU-Sanktionen gegen Russland.
Annee Politique Suisse. [Open Access]
Letzte Aktualisierung: März 2026