Zusammenfassung: Die Schweiz nimmt seit 1996 an der NATO-"Partnerschaft für den Frieden" (PfP) teil und hat ihre Kooperation seit 2022 deutlich intensiviert. Das Individually Tailored Partnership Programme (ITPP) 2025-2028, der Beitritt zum europäischen Luftverteidigungsprogramm Sky Shield und die Eröffnung eines NATO-Verbindungsbüros in Genf markieren eine neue Qualität der Zusammenarbeit. Die Neutralitätsinitiative will solche Kooperationen verfassungsrechtlich einschränken.
Die Schweiz trat 1996 der NATO-"Partnerschaft für den Frieden" bei -- einem Kooperationsprogramm für Nicht-NATO-Staaten [1]:
Das EDA betont: "Die Partnerschaft für den Frieden ist ein Instrument der Kooperation, kein Schrittmacher für einen NATO-Beitritt." [1]
Am 18. Dezember 2025 finalisierte die Schweiz das Individually Tailored Partnership Programme (ITPP) 2025-2028 mit der NATO [2]:
| Bereich | Inhalt |
|---|---|
| Politischer Dialog | Fortsetzung der regelmässigen Konsultationen |
| Interoperabilität | Verstärkte Zusammenarbeit der Schweizer Armee mit NATO-Standards |
| Weltraum | Kooperation bei Weltraumlageerfassung |
| Resilienz | Zusammenarbeit bei Krisenvorsorge |
| Rüstungskontrolle | Gemeinsame Massnahmen zur Abrüstung |
| Luftwaffe | Interoperabilität bei Luftraumüberwachung |
Die offizielle Position: "Die Aktivitäten sind mit der Neutralität der Schweiz vereinbar." [2]
Die Schweiz trat dem European Sky Shield Initiative (ESSI) bei, einem europäischen Luftverteidigungsprogramm unter deutscher Führung [3]. Die Initiative zielt auf eine koordinierte Beschaffung von Luftabwehrsystemen.
Die Schweizer Armee nimmt regelmässig an NATO-Übungen teil, insbesondere in den Bereichen Friedensförderung und Katastrophenhilfe.
Am 7. September 2022 genehmigte der Bundesrat den Zusatzbericht zum Sicherheitspolitischen Bericht 2021. Kernpunkte [5]:
| Befürworter der Kooperation | Kritiker |
|---|---|
| Notwendige Anpassung an veränderte Sicherheitslage | "Schleichende NATO-Annäherung" ohne demokratische Legitimation |
| Interoperabilität stärkt Verteidigungsfähigkeit | Neutralität wird untergraben |
| Kleine Armee braucht internationale Zusammenarbeit | Schweiz profitiert als "Trittbrettfahrerin" ohne eigenen Beitrag |
| PfP ist kein Beistandspakt | Bevölkerung wird nicht gefragt (kein Referendum) |
Die Neutralitätsinitiative will mit Art. 54a Abs. 2 BV den Beitritt zu Militär- oder Verteidigungsbündnissen verbieten (Ausnahme: direkter Angriff auf die Schweiz). Ob und inwieweit die PfP-Kooperation davon betroffen wäre, ist rechtlich umstritten.
Der NATO-Beitritt Finnlands (April 2023) und Schwedens (März 2024) veränderte die geopolitische Landschaft grundlegend (siehe Internationaler Kontext). Beide Länder gaben ihre langjärige Bündnisfreiheit nach dem russischen Angriff auf die Ukraine auf [6].
[1] EDA (2024). NATO -- Partnerschaft für den Frieden (PfP).
Eidgenössisches Departement für auswärtige Angelegenheiten. [Open Access]
[2] VBS (2025). Zusammenarbeit Schweiz-NATO -- Ziele 2025-2028 (ITPP).
Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport. [Open Access]
[3] Blick (2024). Amherd bringt Schweiz näher an NATO (Sky Shield).
Blick. [Open Access]
[4] SRF (2024). Genf soll ein NATO-Büro erhalten.
Schweizer Radio und Fernsehen. [Open Access]
[5] EDA (2024). Aussenpolitische Strategie 2024-2027.
Eidgenössisches Departement für auswärtige Angelegenheiten. [Open Access]
[6] NZZ (2022). Die Schweiz und die NATO -- wie viel Kooperation ist möglich?
Neue Zürcher Zeitung. [Open Access]
Letzte Aktualisierung: März 2026