Zusammenfassung: Die Schweizer Bevölkerung befürwortet die Neutralität weiterhin deutlich (87%), doch die Zustimmung ist seit dem Ukraine-Krieg um 10 Prozentpunkte gesunken. Gleichzeitig wünscht sich eine Mehrheit eine flexiblere Auslegung und mehr sicherheitspolitische Kooperation. Die ETH-Studie "Sicherheit 2025" und das Chancenbarometer 2026 liefern ein differenziertes Bild.
Die Studie "Sicherheit" wird jährlich von der Militärakademie (MILAK) und dem Center for Security Studies (CSS) der ETH Zürich durchgeführt. Die Ausgabe 2025 basiert auf 2'091 Befragten (Januar--Februar 2025, Stichprobenfehler +/-2,1%) [1][2].
| Indikator | Wert 2025 | Veränderung |
|---|---|---|
| Neutralität befürworten | 87% | -10 Pp. seit 2022 (97%) |
| NATO-Annäherung befürworten | 53% | +1 Pp. vs. 2024 |
| NATO-Beitritt befürworten | 32% | +2 Pp. vs. 2024 |
| Klare politische Position bei militärischer Neutralität | 51% | +/- 0 Pp. |
| Verflechtung macht Neutralität unmöglich | 40% | +4 Pp. vs. 2024 |
| Pessimistische Weltlage | 81% | -1 Pp. |
| Allgemeines Sicherheitsgefühl | 86% | -6 Pp. |
| Armee notwendig | 80% | -2 Pp. |
| Höhere Verteidigungsausgaben | 24% | +4 Pp. (Höchstwert seit 1986) |
Die Studie zeigt einen scheinbaren Widerspruch: 87% befürworten Neutralität, aber 53% wollen mehr NATO-Annäherung und 40% sehen die Neutralität durch internationale Verflechtung als verunmöglicht. Dies deutet darauf hin, dass "Neutralität" je nach politischer Haltung unterschiedlich interpretiert wird [2][3].
Das Chancenbarometer wird von Sotomo im Auftrag des Strategiedialog21 durchgeführt. Die Ausgabe 2026 basiert auf 5'249 Befragten in allen drei Sprachregionen (November--Dezember 2025) [4].
| Indikator | Wert |
|---|---|
| Neutralität grundsätzlich beibehalten | 80% |
| Keine Teilnahme an militärischen Konflikten | 85% |
| Flexiblere Neutralität gewünscht | 56% |
| Neutralität als Sicherheitsfaktor | 22% |
| Reputation der Neutralität "negativ entwickelt" | 58% |
| Weitgehend schutzlos gegen hybride Bedrohungen | ca. 80% |
| Stärkere Kooperation mit europäischen Nachbarn | über 2/3 |
Die Umfrage zeigt eine starke Parteipolarisierung: SVP-Wählende sehen Neutralität zu 47% als Sicherheitsfaktor (Gesamtbevölkerung: 22%). Umgekehrt wünschen sich Wählende von SP, GLP und Grünen deutlich stärker eine Kooperation mit europäischen Partnern [4].
Eine Statista-Erhebung auf Basis der CSS-ETH-Daten zeigt [5]:
Diese Werte sind höher als in der ETH-Studie 2025, was an der Fragestellung liegen dürfte (allgemeinere Formulierung).
Aus den verschiedenen Erhebungen lassen sich folgende Trends ableiten:
[1] VBS (2025). Studie Sicherheit 2025.
Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport. [Open Access]
[2] CSS ETH Zürich (2025). Sicherheit 2025.
Center for Security Studies, ETH Zürich. [Open Access]
[3] SRF (2025). Schweizerinnen und Schweizer wünschen sich mehr NATO-Kooperation.
Schweizer Radio und Fernsehen. [Open Access]
[4] watson.ch (2026). Chancenbarometer 2026 -- So blickt die Schweiz auf die neue Weltordnung.
watson.ch / Sotomo im Auftrag Strategiedialog21. [Open Access] Hinweis: Thinktank-Studie
[5] Statista (2024). Funktionen der Neutralität 2024.
Statista (Datenbasis: CSS ETH). [Open Access]
Letzte Aktualisierung: März 2026